Landsberg am Lech

Bahnhof Landsberg am Lech

Der Standort des Landsberger Bahnhofs an der Kilometermarkierung 4,831 war zwischen der Stadt und den Kgl. Bayer. Verkehrsanstalten in München genauso umstritten wie die Vorstellung des Magistrats, die Hauptbahnlinie München – Memmingen nicht über Kaufering, sondern über Landsberg zu trassieren. Beim Bahnhof konnte sich die Stadt durchsetzen. Er wurde nicht an der Sandauer Brücke, sondern an der Karolinenbrücke errichtet und ging als Endbahnhof der Lokalbahn Kaufering – Landsberg am 1. November 1872 offiziell in Betrieb. Die Bahnhofsgleise endeten damals in einer Drehscheibe unmittelbar an der Katharinenstraße. Für die Verlängerung der Lokalbahn nach Schongau im Jahre 1886 richtete man an der Katharinenstraße den auch noch heute noch vorhandenen höhengleichen Bahnübergang ein. Zusammen mit dem Empfangsgebäude (588,87 m ü.N.N.) wurden für die Inbetriebnahme des Bahnhofes vier weitere Hochbauten errichtet:
Güterhalle, Lokomotivremise mit Wasserhaus sowie Wagenremise und Weichenwärterhaus.

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Sonderfahrt des BDEF am 30.05.03; 642 befährt den Bü Katharinenstraße

Die Massivbauten ließ die königliche Eisenbahnverwaltung, wie bei allen Bahnhöfen an der Memminger Linie, in Sichtziegel und Schieferbedachung ausführen. Die erhaltenen Originalpläne des Baukatasters des Bahnhofes von 1873 zeigen das Empfangsgebäude als großzügig dimensionierten, repräsentativ wirkenden dreistöckigen Baukörper mit Walmdach, im italienischen Renaissancevillenstil mit seinen charakteristischen Rundbögen. Dies ist besonders zu erkennen an den erhaltengebliebenen Doppelrundbogen über dem straßenseitigen Eingang. 1880 erhielt das Empfangsgebäude nach Süden einen erdgeschossigen Anbau, der mehrmals erweitert wurde, zuletzt 1950 zur Unterbringung eines separaten Warteraums für die in Landsberg stationierten amerikanischen Soldaten. Im Zuge der Renovierungsarbeiten der 20er Jahre wurde die Fassade in ihrem äußeren Erscheinen erstmals grundlegend verändert. Jüngste Renovierungsarbeiten im Herbst 1998 beschränkten sich gleisseitig auf das Erdgeschoß und das Vordach. Das Stellwerk an der Katharinenstraße, von dem aus die Schranken an diesem Bahnübergang bedient werden, ließ die Deutsche Bundesbahn 1950/51 errichten. Heute, nach über 125 Jahren Landsberger Bahnhofsgeschichte sind von den Hochbauten nur noch das Empfangsgebäude und die Güterhalle erhalten. Mitte des Jahres 2000 wurde nun die an dem Bahnhof angrenzende Toilettenanlage samt Nebenräume und Güterhalle abgerissen. An dieser Stelle entstand ein moderner Busbahnhof (Bus-Terminal), der am 09. Dezember 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Nun kann man direkt aus dem Zug in den Busbahnhof gehen, ohne bei Regen Naß zu werden.

Zeitungsbericht zur Eröffung des Busbahnhofes:

Busbahnhof ist fertig
(Kreisbote LL 06.12.00)

Am Samstag, 9. Dezember 2000, wird um 10 Uhr der Zentrale Busbahnhof feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. 3,2 Millionen Mark hat die Einrichtung gekostet, durch die der ÖPNV im Stadtbereich noch attraktiver werden soll.
Der neue Busbahnhof auf dem nördlichen Bahnhofsgelände ist für 15 Busse konzipiert. Für länger wartende Linienbusse beziehungsweise für einen Gelenkbus wurden zwei weitere Abstellflächen geschaffen. Aufgrund der relativ kleinen zur Verfügung stehenden Flächen wählten die Planer als Grundform für den Busbahnhof eine Schrägaufstellung. Um einen hindernisfreien Wechsel von Bahn zum Bus und umgekehrt zu ermöglichen, musste der Bahnsteig auf einer Länge von 70 Metern von ursprünglich 25 Zentimeter auf 55 Zentimeter über Schienenoberkante angehoben werden. Der Bahnsteig selbst erhielt im Zuge der Baumaßnahme auf einer Länge von 70 Metern eine Überdachung. Auch die Bussteige wurden jeweils mit einer Einzelüberdachung ausgestattet. Zur Realisierung der Maßnahme mussten die ehemaligen Güterhallen sowie die alte Toilettenanlage der Bahn abgebrochen werden. Zeitgleich mit den Arbeiten zur Schaffung eines Busbahnhofes wurde auch der Bahnhofsvorplatz grundlegend saniert. Wie Pressesprecher Claus Müller ausführte, belaufen sich die Kosten für die Stadt bei dieser Maßnahme auf 400000 Mark.

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Direkter Umstieg vom Zug in den Bus

Zu den Gleisanlagen:

Nach einem Lageplan von 1921 verfügte der Bahnhof über 11 Gleise, 20 Weichen und vier Privatanschlüsse. Diese Privatanschlüsse waren die zur der holzverarbeitenden Firma Kink, die heute nicht mehr existiert. An dieser Stelle wurden riesige Wohneinheiten geschaffen, die sich durch das Hupen der Loks an den unbeschrankten Bahnübergänge gestört fühlen.
Die Demontage der Gleisanlagen setzte ab Mitte der 80er Jahre nach der Einstellung des Personenverkehrs zwischen Landsberg und Schongau ein. Der bisher gravierendste Eingriff in die Infrastruktur des Landsberger Bahnhofes erfolgte aber im November 1998: Bis auf Gleis 1 für den Personenverkehr zwischen Landsberg und Kaufering und Gleis 2 für die in Landsberg durchfahrenden Güterzüge der Augsburger Localbahn wurden alle noch vorhandenen Gleise durch DB Netz abgebaut.

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Gut zu erkennen ist die ausgebaute Weichenverbindung von Gleis 1

Südlich von Landsberg, nach der Stadtgrenze und Überquerung der B17, befindet sich ein Abzweiggleis zur Fa. Schwenk. In diesem Bereich befand sich ein Abstellgleis direkt neben der Abzweigung zum Werk. Heute kann man noch eine kleines Teilstück erkennen. Zudem befindet sich an dieser Stelle noch ein Streckenfernsprecher in der bekannten Wellblechhütte mit dem großen „F“. Die Inbetriebnahme des elektrischen Bahnüberganges an der Zimmermannstraße erfolgte im Juni 1992.

Bahnhof Landsberg im Jahr 1989

Gleis: Gleisart: Länge: Besonderes:
1 Stumpfgleis 326 m Bahnsteiglänge 161 m
2 Kaufering – Unterdiessen 325 m Bahnsteighöhe 23 cm / Gefälle nach Schongau
3 Kaufering – Landsberg 295 m Bahnsteighöhe 23 cm / Gefälle nach Schongau
4 keine Angaben
5 Ladegleis 250 m Heute Gleis vom Modellbahnverein LL
6 Kopframpengleis 21 m
6a Hinterstellgleis 205 m Tankanlage Fa. Raab Karcher
7 Ladegleis 257 m
8 Hinterstellgleis 119 m mit elektr. Anschluß für Triebfahrzeuge
9 Güterhallengleis 177 m mit 50 t Waage
10 Ladegleis 72 m
11 Ladegleis 72 m

Private Anschlussgleise:

  • Bayerische Pflugfabrik Landsberg
  • Baywa Landsberg
  • Fa. Isotex / Schwenk Friedheim, bei KM 2,483 auf der Strecke Landsberg – Schongau
  • Fa. Mahler Baustoffe Unterdießen

Güterhalle:

  • Grundfläche 500m2
  • Länge Ladebühne: 60m
  • Laderampenhöhe: 1,20m
  • Waagenlänge: 9m, Tragkraft: 50t
  • Rampenlänge: 32m (Kopframpe für Panzerverladung)

Lokschuppen:

  • Lokschuppen stand nördlich vom Baywa-Gelände (heute Ärztehaus) und wurde 1928 abgerissen.

Signale:

  • Formsignale

Stellwerke:

  • Stellwerk 1 (Stw. 1): Behelfsstellwerk bei Fahrdienstleiter und abhängiges Wartestellwerk in Einheitsbauart mit elektr. Bahnhofsblock. Streckenabschnitt Kaufering – Landsberg ist selbstständiger Streckenblock.
  • Stellwerk 2 (Stw. 2): Zuständig für Bahnübergang in Km 0,082 (Katharinenstraße) und in Km 0,564 Richtung Schongau (BÜ Zimmermannstr.)

Dienststellenzugehörigkeit:

Bis 1988 gehörte der Bf. Landsberg zur Außenstelle Kaufering. Ab 1989 kam Bf. Kaufering und Bf. Landsberg zum Bf. Geltendorf hinzu – Geltendorf wurde Außen-Hauptdienststelle der Direktion Kempten. Bei Winterdienstarbeiten wurden die Arbeiten durch die Bahnmeisterei Geltendorf (Baubezirk 6) unterstützt.

Fdl-Zuständigkeitsbereich:

  • Landsberg – Kaufering = Fdl Kaufering
  • Landsberg – Schongau = Fdl Schongau

Zuständige Werksanschlüsse durch Fdl LL:

  • Fa. Isotex (Schwenk) Friedheim:
    Im Werksgelände befanden sich mehrere Weichen, die je eine Nutzlänge von 2x 104 m; 1x 108 m und 1x 69 m bedienten. Vor der Einmündung in die Strecke Landsberg-Schongau bei Km 2,5 gab es noch ein Abstellgleis mit einer Nutzlänge von 102 m.
  • Fa. Mahler Unterdießen:
    Der Werksanschluß begann direkt vor dem Bahnhofsgebäude und hat eine Länge von 225 m. Der Bf Unterdießen war bis zu seinem Rückbau 3-gleisig.

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Der Bahnhof Landsberg wird zur Zeit von der Agentur BahnStadt renoviert. Weitere Infos dazu: www.bahnhof-landsberg.de.

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Kein feiner Zug: Intellegenterweise wurde nach dem Bahnhofsumbau genau am Bahnsteigübergang ein Blumenbeet angelegt, welches für die Sonderfahrten auf der Fuchstalbahn mit Kies aufgeschüttet werden musste.

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Bü Katharinenstraße; wegen des dichten Waldes ist der weitere Verlauf der Strecke nur zu erahnen.

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Sonderfahrt am 15.08.01

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Im Bahnhof Landsberg stehen drei Vereinswagen des Modelleisenbahnvereins Landsberg/Lech e.V., in denen u.a. der Bahnhof Landsberg im Modell zu bestaunen ist.

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Die Homepage des MEV: www.mev-ll.de.

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